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Digital · 2026-06-12 · 6 Minuten

Passwörter nicht in eine offene Notiz

Eine Liste mit Passwörtern für Hinterbliebene ist verständlich und riskant zugleich. Verständlich, weil Bank, Mail und Versicherung hinter einem Schloss sitzen. Riskant, weil eine Notiz, die jeder Erbe lesen kann, kein Schloss mehr ist. Setzen Sie Passwörter nicht in ein offenes Feld des Lebensdossiers und nicht in eine Notiz, die mit dem Portal mitgeht. Das Portal teilt Ebenen mit Menschen, die Sie einladen. Ein Passwort auf dieser Ebene ist sofort ein Passwort des Kreises, der mitlesen darf. Das wollen Sie nicht, auch nicht, wenn der Kreis klein ist und Einigkeit zu bestehen scheint. Die Liste gehört außerhalb des geteilten Dossiers.

Was wohl ins Dossier gehört: dass eine Liste besteht und wer sie öffnen darf. Ein kurzer Satz genügt. Die Liste liegt bei der Vertrauensperson, in einem Tresor oder in einem Passwortmanager außerhalb von Ervazo. Ervazo ist kein Passwortmanager. Das Programm bewahrt Dossiers, Aufgaben und Dokumente, die Sie hochladen. Es ist nicht dafür gemacht, Geheimnisse gegen die Menschen zu verschließen, die das Dossier sehen dürfen. Schreiben Sie also den Ort und die Person, nicht die Schlüssel. Ein Hinterbliebener, der den Ort kennt, kann die Person anrufen. Diese Person öffnet die Liste nach der Absprache, die zu Lebzeiten getroffen wurde, oder sie öffnet sie nicht.

Nach dem Tod ändert sich die Versuchung. Jemand will die Mail lesen, um Konten zu stoppen, und fragt, ob das Passwort im Dossier steht. Die Antwort muss nein sein. Der Testamentsvollstrecker hat Aufgaben im Nachlass, keinen freien Zugang zu jedem privaten Konto, weil ein Telefon auf dem Tisch liegt. Welchen Zugang eine Plattform gibt, steht im Verfahren dieser Plattform. Bis dieses Verfahren befolgt ist, bleibt das Konto geschlossen. Im Dossier steht nur, wer die Liste öffnen darf. Steht die Liste doch in einer Notiz, nehmen Sie sie heraus, bevor ein Erbe ins Portal darf.

Zu Lebzeiten gilt dieselbe Unterscheidung. Die Vertrauensperson sieht, was Sie einschalten. Schalten Sie den Fundort der Liste ein, wenn diese Person ihn brauchen kann, und lassen Sie den Rest aus. Teilen Sie kein Bildschirmfoto von Passwörtern in der Korrespondenz. Briefentwürfe bleiben im Dossier stehen und können später sichtbar werden, wenn die Ebene mit Briefen eingeschaltet wird. Ein Passwort in einem Entwurf ist dann schon am falschen Ort gelandet. Lesen Sie den Text, bevor Sie jemanden einladen. Ein jährlicher Durchgang durch das Lebensdossier ist ein guter Moment, um zu sehen, ob der Satz über die Liste noch stimmt.

Notieren Sie, dass eine Passwortliste besteht und wer sie öffnen darf. Setzen Sie die Schlüssel selbst nicht in eine Notiz, die Erben lesen können, und nicht in ein Feld, das mit einem Portal mitgeht. Ervazo ist kein Passwortmanager und wird es nicht durch einen kreativen Umweg in einer Notiz. Dieser Text beschreibt diese Grenze im Dossier. Er sagt nicht, welches Konto nach einem Todesfall geöffnet werden darf. Dies ist keine Rechtsberatung und keine Steuerberatung. Wer Zugang zu Mail oder Bank haben darf, folgt aus der Absprache zu Lebzeiten und aus den Regeln der Einrichtung, nicht aus einer geteilten Notiz.